Abonnieren


Tutorial: Wie zeichne ich Karten digital?

Neuere Ereignisse haben mich dazu bewogen dieses Tutorial wieder aufzugreifen und endlich komplettiert vorzustellen. Seit Anfang August, ruhte der unfertige Entwurf im Innern meiner Homepage. Anhand von Boran will ich hier detailgetreu zeigen, wie ich voran gehe, wenn ich einen Kartenauftrag von Ulisses bekomme und ihn digital ausführe. Außerdem setzt dieses Tutorial schön und hoffentlich brauchbar an Hannahs Workshop von der RatCon an.

Und vorweg: Nein, meine Boranversion ist keine lediglich nachcolorierte Karte des Borans von Daniel Jödemann. So einfach war es denn doch nicht, auch wenn es in geringer Auflösung vielleicht so erscheinen mag. 🙂

1. Was brauche ich?
Einmal natürlich einen PC. Wünschenswert wäre ein Grafiktablett. Ich arbeite mit einem uralten Tablett, der ersten Version des Wacom Bamboo, die je auf den Markt kam. Für seine sieben Jahre ist es auch noch recht in Ordnung, auch wenn ich mir hab sagen lassen, dass es sich lohnt auf ein Wacom Intuos umzusteigen. Im Notfall kann man natürlich auch mit der Maus arbeiten. Es funktioniert, auch wenn es mühsamer ist und man eine ruhige Hand und etwas mehr Geduld braucht. Als letztes benötigt man ein Grafikprogramm das Ebenen/Layer darstellen kann. Alles andere ist eher nebensächlich. Wer kein Geld ausgeben möchte, kann sich in GIMP reinfuchsen.

2. Die Vorgaben
Wenn ich für meinen Auftraggeber eine Karte machen soll, bekomme ich konkrete Angaben, wie diese werden muss. Zuerst sind das allgemeine Dinge: Die Größe wird einem mitgeteilt und ob die Grafik  farblich oder schwarzweiß werden soll. Fast immer wird eine Skizze mitgeschickt oder eine sonstige Vorlage. Außerdem zur Hilfe oft ein längerer Text mit Beschreibung der Stadt/des Hauses/des Dungeons.
Im Falle von Boran wären das: DIN A4, Farbe, der Schattenlande-Text über Boran und eine niedrig auflösende Version von Daniel Jödemanns Boran (Ich hab Lilienthron nicht, deshalb scannte man mir die Karte prompt.) und die Anweisung, dass ich einen neuen Nordweiser designen sollte. Zur Größe gesagt sei: Ich habe Boran anfangs in DIN A3 erstellt, um genauer arbeiten zu können.
Die Unterschiede zur (IG) zwei Jahre alten vorhergehenden Borankarte sind marginal. Das sind nur kleine Dinge, die man an zwei Händen abzählen kann. Ansonsten sollte die neue Borankarte genauso aussehen wie die alte: Nur eben in Farbe/für den sw-Druck: Schattierter. Die Auflösung beträgt übrigens immer 300 dpi.

3. Die Linearts
Wenn alle Angaben eingestellt sind, gehts los. Im Fall von Boran war es recht einfach, das Loslegen, denn ich hatte ja eine recht genaue Vorlage. Manches Mal sieht das anders aus, wenn nur eine grobe Autorenskizze besteht. In so einem Falle würde ich erst einmal Skizzen über Straßenzüge und Häuserfluchten anlegen und anschließend absegnen lassen und die Skizze dann gegebenenfalls nach Wunsch nochmal überarbeiten.
Bei Boran konnte ich mir das Dank der Jödemannkarte sparen.
Ich hatte also die Vorlage auf einem Layer, eine rein weiße Hintergrundebene und erstellte eine dritte Ebene darüber – für das Lineart. Beim Vorlagenlayer stellte ich die Deckkraft auf 40%. Das lässt die Vorlage verblassen, was das Zeichnen der eigenen Linearts erleichtert.

Dieser Schritt war nicht sonderlich anspruchsvoll, aber sehr zeitaufwendig. Manche Minuten war ich auch etwas gestresst durch die ab und zu eintönig anmutende Arbeit. Stellenweise war der Kartenscan glücklicherweise recht verpixelt und ich konnte mir selbst Kleinigkeiten der Hausgestaltung einfallen lassen. Ich versuchte die Häuschen, die ab und zu etwas krumme Wände hatten so gerade und ordentlich wie möglich zu gestalten, ohne dabei zu statisch zu werden. Ich benutzte also keinerlei Linientool, sondern zog jedes Dach einzeln per Hand. Das ist eigentlich auch schon das ganze Geheimnis der Linearts von Boran. Insgesamt saß ich alleine an die 30 Stunden nur am Häuschenzeichnen – ein bisschen bekloppt wird man schon, wenn man das 12 Stunden am Stück macht xD. Hier zwei Eindrücke des Unterschiedes von Vorlage und meinem Lineart:

Boranlineart: links (c) Daniel Jödemann

Boranlineart: links (c) Daniel Jödemann

Boranlineart: links (c) Daniel Jödemann

Boranlineart: links (c) Daniel Jödemann

 

 

 

 

 

 

 

Als Pinsel benutze ich übrigens den Kalligrafiepinsel mit Deckkraft 100%, Fluss 100%. Größentechnisch ist er je nach Größe des Bildes unterschiedlich. Aber meistens kommen die Größen 7 bis 11 in den Einsatz.



4. Die Farbschattierung

Für diesen Schritt habe ich nochmal etwa 20 Stunden benötigt. Insgesamt habe ich mir Borans 50 Stunden-Arbeit auf eine Woche aufgeteilt. Ich muss dazu sagen, dass es meine allererste digitale Karte war und ich zum Teil auch einfach noch etwas langsam war und einiges ausgetestet habe. Heute bin ich schneller (im Schnitt 15-30 Stunden pro Karte, je nach Karte. Ich kann natürlich auch Karten in 5 Stunden schaffen, aber die sehen dann nicht im Ansatz so detailreich aus. ;)).
Die Schattierungen beginnen mit Grundierungen. Ich bin da recht großzügig mit den Layern.

Boran: Grundierung

Boran: Grundierung Stadt

Am anschaulichsten wird das mittels Bildern, denn jetzt wird es etwas komplizierter.
Momentan hatte ich am Anfang dieses Arbeitsschritts zwei Layer (den Vorlagelayer habe ich gelöscht, als das Lineart komplettiert war): Das Lineart und darunter den weißen Hintergrundlayer. Mit dem Zauberstab-Werkzeug (W) habe ich auf dem Lineartlayer zwischen die Häuser geklickt. So dass alles innerstädtische markiert wurde, was nicht Haus war. Während dieser Auswahl habe ich einen neuen Layer erstellt (Grundierung Stadt). Diesen habe ich mit gelber Farbe aufgefüllt.
Unsauberkeiten wie hier der eine Baum können manuell wieder wegradiert werden. So sieht auf jeden Fall jetzt erstmal die Karte innerstädtisch aus.
Ich habe anschließend weitergrundiert auf mehreren Layern auf immer die selbe Weise.

Ich hatte letztendlich die Layer: Grundierung Stadt, Grundierung Wasser, Grundierung Wiesen, Bäume. Alles unterschiedliche Farben auf unterschiedlichen Layern. Zu diesem Zeitpunkt zeigte sich Boran dann so:

Boran: Grundierungen

Boran: Grundierungen

Nacheinander habe ich die einzelnen Bereiche bearbeitet. Um nicht überzumalen hilft es, die jeweilige Ebene zu locken:

 

 

Für die Schattierungen nutze ich einen nicht zu weichen Pinsel, also nicht Airbrush oder dergleichen, da ich etwas Pinselstruktur schätze. Hier fand wieder mein Lieblingspinsel Verwendung, den es hier bereits herunterzuladen gab:
Digitales Malen

 

Ich habe jetzt eigentlich nur bestimmt von welcher Seite das Licht kommen soll und dann nach und nach mit etwas helleren und etwas dunkleren Tönen der Grundierungen angefangen Licht und Schatten zu setzen. Es kamen währenddessen noch einige Nebenlayer zu Stande, wie beispielsweise einer für die Schiffe und einer für Seen und Teiche.
Zuletzt habe ich mir einen hellen Braunton gegriffen und die unterste Ebene, den Hintergrundlayer, der bisher immer rein weiß gewesen war, komplett braun gefärbt. Das hat den Effekt, dass schlagartig alle Häuser braun werden.

Boran: Häuserschattierungen und Details

Boran: Häuserschattierungen und Details

An dieser Stelle habe ich mir 7 variierende Braun/Grün und Rottöne herausgesucht, um bei den Häusern etwas Variation zu haben und habe einige Häuser neu eingefärbt. Das Gute ist, dass man nicht darauf achten muss, ob man über den Rand malt, denn der gelbe Grundierungslayer liegt über dem Hintergrund und verdeckt alle Striche, die theoretisch die Häusergrenzen übermalen.

Jedes Haus bekam dann noch einzeln Schatten und Lichtreflexe. Ich habe es mir hier stellenweise etwas einfacher gemacht und mit den Abwedeln- und Nachbelichtentools gearbeitet.

Zuletzt habe ich das ganze Bild verkleinert auf A4, damit es die richtige Größe hat (Mittels Bild -> Bildgröße und dann die richtigen Maße von A4 einstellen) und abschließend kleine Feinheiten eingezeichnet, die man leider nur in hochauflösender Qualität sehen kann. Beete der Gärten und dergleichen.

An dieser Stelle habe ich auch den Maßstab und den Nordweiser erneuert. Die waren bisher nur in Skizzenversionen vorhanden gewesen.

 

5. Die Graustufen

Der einfachste Schritt. Ulisses bekam bei mir einfach beide Versionen geschickt, einmal Farbe, einmal schwarzweiß. Um die Farbkarte in Graustufen zu haben, verwendet man einfach: Bild -> Modus -> Graustufen… und hat ein Boran in schwarzweiß!

 

Ich hoffe, ich konnte einen kleinen Einblick in meine Arbeitsweise gewähren. Nach Hannahs Kartenworkshop auf der RatCon gibt es jetzt ja vielleicht einige Interessierte, die tiefer in dieses Mysterium eindringen möchten. 🙂
Wenn Fragen sind, beantworte ich sie gerne.

3 Antworten auf “Tutorial: Wie zeichne ich Karten digital?”

  1. miro sagt:

    Danke für den Einblick in deine Arbeit. Liest sich sehr interessant.

  2. Marco/Moosäffchen sagt:

    Super Tutorial!

    Muss meinem Vorredner beipflichten:
    Liest sich sehr interessant/angenehm – perfekte „Ergänzung“ zu Hannahs Workshop! 🙂

Antworten

Du kannst folgende HTML-Tags benutzen, um deinen Kommentar etwas aufzupeppen:
<a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <s> <strike> <strong>